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TELE-audiovision.com

01-02/2015 —

TELE-audiovision International —

全球发行量最大的数字电视杂志

1. Nicht nur Radiosender wurden gestört,

auch die TV-Programme aus dem Westen

wurden mit Störsendern überlagert. Thomas

Krüger erzählt: "Hier im Süden Ost-Deutsch-

lands konnte man den Sender Ochsenkopf

aus West-Deutschland empfangen, der auf

Kanal 4 das Erste TV Programm der ARD

ausstrahlte. Um den Empfang zu stören,

betrieben die sowjetischen Truppen spo-

radisch einen Störsender auf der Kanal 4

Frequenz. Um diese Störungen auszublen-

den existierten Bastelanleitungen für diesen

Saugkreis, der allgemein in der DDR als

'Russentod' bekannt war."

Die Mitarbeiter eines Betriebes, der Ver-

stärker herstellt, waren natürlich besonders

qualifiziert, diese Saugfilter zu basteln:

"In unserer Freizeit bauten wir für Freunde

und Bekannte viele solcher Saugkreise. Sie

bestehen aus handelsüblichen Bauteilen,

der Topf ist z.B. ein normaler Milchtopf."

Die Handelsorganisationen wunderten sich

damals, warum ausgerechnet in der Gegend

um Burgstädt soviele Milchtöpfe nachge-

fragt wurden.

2. Professionelle Saugkreise wurden später

auch offiziell hergestellt. Als der UKW-

Rundfunk in den späten 50er Jahren populär

wurde stieg die Nachfrage nach Antennen-

weichen, um sowohl die lokalen Pro-

gramme aus Ost-Deutschland wie die aus

West-Deutschland empfangen zu können.

Erstaunlicherweise verstand sich der VEB

EGB schon damals auf das Marketing: statt

eine UKW-Weiche auch so zu benennen

erfand man den an sich sinnlosen Begriff

'Stereoweiche'.

3. Als die Zahl der UKW-Sender zunahm

verschärfte sich das Problem, die Pro-

gramme im Radiogerät zu trennen. Thomas

Krüger erzählt: "Die lokalen Programme des

DDR-Rundfunks wurden natürlich mit star-

kem Pegel empfangen und die Programme

aus dem Westen nur mit geringem Pegel."

Abhilfe schaffte in so einem Fall ein selek-

tiver Sperrkreis: "Damit wurden die lokalen

UKW-Programme gezielt abgeschwächt,

sodaß das UKW-Radiogerät beim Kunden

alle Programme mit gleich hohem Pegel

empfing."

4. Blick ins Innsere des selektiven Sperr-

kreises. "Die Herstellung eines solchen

Sperrfilters erforderte enormes Können und

Fingerspitzengefühl. Beim VEB EGB waren

wir dafür natürlich bestens ausgerüstet und

verbrachten unsere Freizeit damit, solche an

sich illegalen Bauteile herzustellen."

5. Gehäuse eines der ersten Antennenver-

stärker aus der Produktion des VEB EGB.

6. Blick ins Innere des GAV16: damals noch

mit Röhren ausgerüstet. Es handelt sich

um einen Hausverstärker für 16 Teilnehmer,

der die Bereiche Band I, Band III und UKW

zusammenführt und verstärkt.

den westlichen Ländern möglich waren.

„Wir mußten alles selbst neu erfinden,

was es im Westen bereits gab.“ Die

dabei entwickelten Produkte waren so

gut, dass die Firma sogar exportieren

konnte: „Fast 20% der Produktion gin-

gen damals ins Ausland,“ erinnert sich

Thomas Krüger.

Die Erfahrungen aus dieser Zeit ha-

ben den beiden geholfen, später ihre

eigene Firma SAT Kabel zu gründen.

Das Museum erinnert jeden Besucher

daran, dass hier eine enorme Erfah-

rung im Bereich Antennenverstärker-

technik angesammelt wurde. Der Blick

zurück im Museum erklärt den Erfolg in

der Gegenwart.